Desti-Nation

Baltensperger + Siepert

 
 
 
 

Desti-Nation is the prototype of a guiding buoy, promising to provide a safe crossing of the Mediterranean Sea. The buoy works autonomously, through a website it can be called to any desired location at the North African coast. From there the buoy uses its built in GPS to lead the refugees in their boats safely to Europe.

Desti-Nation is the materialised manifestation of a societal ambivalence. On the one hand is the wish and duty to assist refugees in need, on the other we observe the great fear that too many refugees entering one’s country could threaten one’s own existence. Although scarcely anybody would want refugees trying to cross the Mediterranean to perish on their way to Europe, there is hardly a European government which would not oppose the building of a bridge between Africa and Europe.

Desti-Nation ist der Prototyp einer Lotsenboje, die nordafrikanischen Flüchtlingen eine sichere Überfahrt über das Mittelmeer verspricht. Die autonom arbeitende, motorisierte und mit solarstrom betriebene Boje kann über eine Website an einen beliebigen Ort, an die nordafrikanischen Künste, gerufen werden. Von dort aus schwimmt sie mit Hilfe von GPS jedem Flüchtlingsboot auf einer sicheren Route Richtung Europa voraus.

Desti-Nation ist die materielle Manifestation einer gesellschaftlichen Ambivalenz. Auf der einen Seite steht der Wunsch und die Verantwortung Flüchtenden in ihrer prekären Situation zu helfen, auf der anderen Seite existiert die Angst, es könnten zu viele kommen und die eigene Existenz bedrohen. Kaum jemand würde wollen, dass täglich Menschen beim Versuch das Mittelmeer zu überqueren zu Tode kommen. Und doch würde kaum eine europäische Regierung sich nicht dagegen wehren, wollte jemand eine Brücke von Afrika nach Europa bauen.

 
 

Baltensperger + Siepert, Desti-Nation

 
 

Desti-Nation by Stefan Baltensperger + David Siepert

 
 

Starker Schwimmer

Ein Künstlerduo hat ein Gerät gebaut, das afrikanische Flüchtlinge nach Europa lotsen könnte.

Paulina Szczesniak, for Tages-Anzeiger, 2013

 

What is a human life worth to you? To be more precise: The life of an African? Do you find these kinds of questions cynical? Uncomfortable?

If so, then you should treat the works by Zurich-based artist duo Baltensperger + Siepert with great caution.

Lodged between the floor and the ceiling of the gallery is a large red buoy. The buoy is equipped with GPS, GMS, solar panels, and an electromotor. Why does a buoy need all this? To guide refugees, like a moving lighthouse, from North Africa to Europe.

For anyone willing to invest 84’000 CHF, Baltensperger + Siepert will release one of their self-created buoys into the Mediterranean on his/her behalf, to be booked and ordered to any place at the North African coast.

Politically speaking, this project is explosive and highly controversial. But that’s true for all projects by David Siepert (*1983) and Stefan Baltensperger (*1976), who pursue individual projects as well as collaborative work. At last year‘s Shanghai Biennale, Baltensperger + Siepert provoked the host country by producing different national flags in unitarian Chinese imperial red, which led to some being eliminated from display.

[…]

Wie viel ist Ihnen ein Menschenleben wert? Genauer gefragt: ein afrikanisches Menschenleben?

Sie finden solche Fragen zynisch? Unbequem? Dann sollten Sie den Output des Zürcher Künstlerduos Baltensperger + Siepert mit Vorsicht geniessen. Beziehungsweise um die Galerie von Armin Berger derzeit einen grossen Bogen machen. Dort nämlich haben die beiden – die sich auch schon während eines Podiumsgesprächs Blut abzapfen und dieses hernach zu einer Wurst verarbeiten liessen – ihren neusten Coup platziert: Eingeklemmt zwischen Galerieboden und -decke, macht sich eine riesige, rote Hochseeboje breit, ausgestattet mit GPS, Solarzellen und Elektromotor. Wozu eine Boje all das braucht? Um, gewissermassen als Navigationsgerät und Leuchtturm in einem, Flüchtlingsboote aus Afrika nach Europa zu geleiten. Kein Witz: Wer 84000 Franken lockermachen kann, in dessen Namen setzen Baltensperger + Siepert einen ihrer selbst ausgetüftelten Schwimmer im Mittelmeer aus, der dann, via Internet, an jeden beliebigen Ort an der nordafrikanischen Küste bestellt werden kann.

Natürlich ist das politisch hochbrisant. Aber das sind die Projekte von David Siepert und Stefan Baltensperger, die übrigens beide auch individuelle Kunstprojekte verfolgen, immer. An der letztjährigen Shanghai-Biennale sorgten die beiden bei den Gastgebern für rote Köpfe, als sie Flaggen unterschiedlichster Länder einheitlich in chinesischem Rot nachnähen liessen – und so, zusammen mit den Stöffchen, Globalisierungs- und Gleichschaltungskritik fröhlich im Wind flatterten.

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Desti-Nation by Stefan Baltensperger + David Siepert

 

Territories by Stefan Baltensperger + David Siepert